Nachbarschaftshilfe will Hemmschwelle heruntersetzen: Hilfe auch bei Kleinigkeiten möglich.

Sarstedt. Wer freitags auf den Markt geht, kommt an Dagmar Kitzmann und Karin Kasten kaum vorbei.

 

 

Die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Nachbarschaftshilfe Spontan machen zurzeit kräftig Werbung für das Netzwerk, das Hilfesuchende und Helfer zusammenbringt. „Wir suchen zum einen neue Ehrenamtliche, wollen aber andererseits auch Menschen ansprechen, die bislang die Hemmschwelle nicht überwinden konnten, zu Spontan zu kommen“, erklären die beiden Frauen einstimmig. Die Resonanz auf die Präsenz beim Wochenmarkt sei überaus positiv, berichten Kitzmann und Kasten. „Bislang haben wir einen Ehrenamtlichen gewonnen und eine Dame, die nach Hilfe gefragt hat“, erzählen sie stolz. Beide Frauen sind seit rund einem Jahr bei Spontan aktiv und leisten normalerweise Bürodienst. „Viele Leute trauen sich nicht, wegen einer Kleinigkeit bei uns anzurufen“, hat auch hauptamtliche Spontan-Koordinatorin Katharina Günter festgestellt. Das könne der Zusammenbau eines Regals sein, eine Begleitung beim Arztbesuch oder Hilfe beim Einkaufen. Für diese einmaligen Einsätze stehe Spontan gerne zur Verfügung. Das Betreuen eines Haustieres, Babysitting oder Spazieren gehen seien weitere Einsatzfelder. Nicht übernommen würden hingegen Aufgaben, die in der Regel von Gewerbetreibenden geleistet würden wie regelmäßige Gartenpflege oder komplette Umzüge, so Günter. Zunehmend sei in der letzten Zeit das Spazierenfahren von Menschen im Rollstuhl angefragt worden. Für diese Einsätze sucht Spontan nun noch dringend etwas jüngere Helfer. Die 59 Ehrenamtlichen, die bei Spontan engagiert sind, seien überwiegend selbst im Rentenalter. „Viele unserer Ehrenamtlichen schaffen das nicht mehr, wenn der Rollstuhl den Berg hochgeschoben werden muss“, sagt Katharina Günter. Freiwillige, die sich telefonisch oder persönlich bei Spontan melden, können auf einem Bogen ihre bevorzugten Einsatzgebiete nennen und auch solche, die sie auf keinen Fall wahrnehmen möchten. Die Verwaltung der Anfragen und Angebote erfolgt ab sofort mit einem spezialisierten Computerprogramm. „So hat jeder sofort einen kompletten Überblick und weiß auch, was am Tag zuvor im Büro gelaufen ist“, erklärt Katharina Günter. Natürlich müssen sich die fünf Mitarbeiter im Büroteam plus Chefin zunächst in das Programm einarbeiten, was mit viel Gelächter über den fiktiven Charakter „Frau Mustermann“, an dem geübt wird, passiert. Ganz real jedoch können sowohl Helfer als auch Hilfesuchende die Freiwilligenagentur Spontan über Telefon 805-60 erreichen oder im Rathaus im Zimmer 16 vorbeischauen.

Text & Bild: Birgit Abraham/Hildesheimer Allgemeine Zeitung/28.10.2014